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Bonner Geowissenschaftler lassen Ölquellen sprudeln

31. März 2007

Geowissenschaftler der Universität Bonn vom Institut für Paläontologie haben die Stadt zu einem internationalen Anlaufpunkt für die Untersuchung prähistorischer Einzeller gemacht, so genannter Mikrofossilien. Diese auch als Mikropaläontologie bezeichnete wissenschaftliche Spezialdisziplin ist aber kein weltfremdes Steckenpferd einzelner Forscher, sondern hilft dabei, Ort, Verlauf und Größe von Öl- und Gaslagerstätten herauszufinden.

Neben Masterausbildungen in London und Texas ist die Universität Bonn weltweit der einzige Anbieter eines Intensivkurses für angewandte Mikropaläontologie, der jährlich in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Explorationsindustrie stattfindet.

Bereits zum vierten Mal bietet Professor Dr. Martin Langer vom Institut für Pälaontologie diese Ausbildung an. Wissenschaftler und Industrielle reisen deshalb jährlich aus der ganzen Welt nach Bonn – in steigender Zahl: “In diesem Jahr hatte ich fast 80 Anmeldungen auf dem Tisch”, erzählt Professor Langer. Den Explorationsfirmen mangelt es an entsprechenden Fachleuten, während gleichzeitig der globale Energiebedarf und damit der Druck steigt, Erdöl und Erdgas zu finden und vorhandene Lagerstätten besser auszubeuten.

Die Erdölindustrie besinnt sich mit der Nutzung der Mikropaläontologie auf ihre Wurzeln: Früher beschäftigten alle Explorationsfirmen eigene Fossilexperten. Zu Beginn der achtziger Jahre versprach man sich durch den Einsatz der Seismik bessere Erträge. Um den begehrten Energieträger aufzuspüren, schicken die Firmen dabei seismische Wellen in den Untergrund. Ähnlich einem Ultraschallbild liefert deren Ausbreitung und Reflexion ein tomographisches Bild vom Schichtverlauf der Gesteine und zeigt dem geschulten Auge mögliche Lagerstätten. Zahlreiche Mikropaläontologen wurden entlassen; entsprechend schlecht steht es heute um den Nachwuchs.

“Die Auflösung der Seismik liegt aber nur bei etwa 100 Metern. Meist sind die Lagerstätten jedoch nur 20 bis 30 Meter mächtig”, erklärt Professor Langer diese Rückbesinnung. “Außerdem lagern die erdölführenden Gesteinsschichten nicht immer horizontal, oft sind sie gefaltet, in unterschiedlich große Reservoire fragmentiert oder sogar plötzlich um mehrere Zehnermeter gegeneinander versetzt.” Die Firmen bohren also oft in der falschen Tiefe oder können dem Verlauf der ölführenden Schicht nicht folgen. “Das kostet nicht nur Zeit sondern verschlingt enorme Mengen Kapital”, weiß Langer. “Gelangt die Bohrung aus dem Reservoir in ‘trockenes’ Gestein, wird die Lagerstätte häufig zu früh aufgegeben. Fragmentierte Lagerstätten werden so nicht erreicht und die gesamte Quelle nur teilweise genutzt”.

Ganz andere Methoden wendet die Mikropaläontologie an: Der Fachmann untersucht während der Bohrung ständig Proben des Gesteins, das nach oben befördert wird. Mikrofossilien verraten die Lage, Ausdehnung und Position der ölführenden Schichten, die in mehreren Kilometern Tiefe durch Druck und Temperatur aus organischem Material entstanden sind. An Hand der schichtweisen Zusammensetzung und Verteilung dieser versteinerten Mikroorganismen weiß der Experte auch, ob die Bohrung höher oder tiefer platziert oder umgelenkt werden muss, wenn sie plötzlich in trockenem Gestein steckt. So ist es möglich, der Lagerstätte bis auf einen Meter genau zu folgen.

Der Bedarf an entsprechend ausgebildeten Fachleuten ist enorm. “Es wird in Zukunft einen großen Bedarf an gut ausgebildeten Mikropaläontologen geben”, freut sich Professor Langer. “Die Industrie besinnt sich wieder um und der Erfolg gibt uns Recht”. Die Mikropaläontologie der Universität Bonn ist so zu einem internationalen Anlaufpunkt für diese fast vergessene Forschungsrichtung geworden. Im Jahr 2010 wird deshalb in Bonn der bislang größte Mikropaläontologenkongress der Welt für Fachleute aus Industrie und Forschung stattfinden.