Lutum+Tappert: Fachkongress zum Firmenjubiläum
„Gibt es die Herren Lutum und Tappert eigentlic
h wirklich?“ Mit diesem selbstironischen Zitat aus Kundengesprächen eröffnete Joachim Lutum den Kongress „Zukunftstrend Geomarketing“ mit rund 120 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, den sich das Bonner Unternehmen Lutum+Tappert DV Beratungs GmbH zum 25-jährigen Firmenjubiläum am gestrigen Mittwoch (25. April) selbst geschenkt hatte.
In den historischen Räumen der Redoute in Bonn Bad-Godesberg zeigte der Kongress die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten, geographische Daten in Unternehmen zu nutzen. Das begann mit dem Beispiel des Möbelkonzerns Ikea, für den Norbert Bickling vom Marketing des Unternehmens erläuterte, wie sich Ikea Deutschland die Einzugsgebiete seiner mittlerweile 41 Möbelhäuser hierzulande auf Postleitzahlenkarten anschaulich macht und auf dieser Grundlage die Verteilung von Katalogen und Broschüren plant.
Und es endete mit Thorsten Frerk von der Karlsruher PTV AG. Der jüngste Partner des Bonner Unternehmens gilt als Marktführer im Bereich von Tourenplanungen und Optimierungen im Außendienst. So rechnete Frerk vor, dass durch besser zugeschnittene Vertriebsgebiete oder flexible Tourenplanungen, die beispielsweise auf ausgefallene Termine reagieren und alternativ sofort andere Kunden aus dem Bestand heraussuchen, die in der Nähe sind und Besuche empfangen könnten, Einsparungen von rund zehn Prozent bei Fahrtzeiten und -strecken möglich seien. Und die Zeit, die ein Außendienstler nicht im Auto sitze, könne er beim Kunden verbringen. Weitere Themen und Stichworte des Tages waren Anwendungen im Pharmamarkt oder die Auswahl von potenziellen Gebieten für neue Angebote eines Gasversorgers.
Diese Beispiele aus der Praxis verdeutlichten, was Professor Klaus Greve von der Universität Bonn zuvor in seiner Keynote mit durchaus provokanten Formulierungen ausgeführt hatte: Geodaten an sich seien teuer und besäßen keinen eigenständigen Nutzen. Ihren Wert erhalten sie erst als Grundlage von Planungsentscheidungen. „Und diese Entscheidungshilfe durch Geodaten kann so kurzfristig sein, wie im Navigationssystem, das dem Nutzer mitteilt, ob er die nächste Straße rechts abbiegen soll, bis hin zu langfristig-strategischen Fragen von Unternehmen, wo sie in neue Standorte investieren.“ Allerdings werde dieser Vorteil immer wieder von den Kosten aufgefressen, die Beschaffung und Verarbeitung der Daten erfordere. In diesem Zusammenhang stelle Greve ein Versagen des Geodatenmarktes fest, der es in vielen Fällen offenbar nicht verstehe, die Daten zu angemessenen Aufwänden zur Verfügung zustellen.
Andererseits verwies der Wissenschaftler auf jüngste Entwicklungen im Internet, in denen digitale Karten eine immer wichtigere Rolle spielen. Sie seien der Kitt, der Informationen aus vielen Feldern zusammenführt. „Offenbar entspricht die Organisation von Wissen nach räumlichen Kriterien unserem Charakter als Wesen, die sich während ihrer gesamten Evolutionsgeschichte im Raum bewegt haben“, sagte Greve. Diesem Prinzip folge jede Bibliothek, die Bücher gleicher Themen an einem Ort sammle und diesem Prinzip folgen auch immer Webseiten, die Informationen aus vielen Stellen des Internets in Form so genannter „Mash-Ups“ bündele und dank einfacher Kartendienste wie sie Google, Microsoft oder Yahoo inzwischen unentgeltlich zur Verfügung stellen. Dies zeige das ungeheure Potenzial von Geodaten, wenn die Kosten keine Rolle spielten.
Dem Feld des Geomarketings kommt demzufolge eine besondere Funktion als „Marktbrecher“ zu. Hier gebe es inzwischen das Know-how die geldwerten Vorteile der Geodaten als Entscheidungshilfe transparent zu machen und gleichzeitig angemessene Aufwände bei Beschaffung und Handling anzubieten. „Eine 25-jährige Firmengeschichte zeigt eben auch, dass diese Branche mittlerweile eine gewisse Reife erreicht hat.“ Dem konnten sich als Gratulanten die Mitarbeiter des Unternehmens nur anschließen, die ihre Chefs am Ende des Kongresses mit einer Geburtstagstorte und einem Film überraschten.
Und auch Ulrich Ziegenhagen als Vertreter der Stadt Bonn überbrachte nicht nur Glückwünsche im Namen der Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, sondern unterstrich in seiner Funktion als Wirtschaftsförderer und Manager der Geoinformationsinitiative Bonn-Rhein Sieg die Bedeutung der Geoinformationswirtschaft und damit von Unternehmen wie Lutum+Tappert für die weitere Entwicklung des Standortes.

























