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AED SICAD Kundentag: Blick über das Tagesgeschäft hinaus

20. Juni 2007

Mit über 200 Teilnehmern gehörte auch der diesjährige Kundentag des Bonner Unternehmens AED SICAD zu den größten Veranstaltungen der Geoinformationswirtschaft in der Region. Vor allem Vertreter der Kommunen sowie des Vermessungs- und Katasterwesens zählen zu den Anwendern der verschiedenen Softwareprodukte des Unternehmens, das zu den führenden Anbietern der Geoinformationswirtschaft in Deutschland gehört. So diente der Kundentag nicht nur dem Unternehmen als Plattform zur Darstellung eigener Leistungen und Neuheiten, sondern ist zugleich ein Ort des Erfahrungsaustausches der Experten über das Tagesgeschäft hinaus. Im Eröffnungsvortrag beleuchtete Professor Matthäus Schilcher (Foto) von der TU München, welche Chancen und Risiken für die Branche die Entwicklung der so genannten Earth Viewer wie z.B. Google Earth bedeuten.

Aus seiner Sicht werde es zu einer Dreiteilung des Marktes kommen. Auf der einen Seite stehen die Expertensysteme, wie sie die Geoinformationswirtschaft heute liefert. Zugeschnitten auf eine eng umrissene Zielgruppe von Geodäten, Geographen und Anwendungsexperten zum Beispiel aus dem Umweltbereich oder der Energiewirtschaft werden diese Systeme mit ihren umfassenden und snpruchsvollen Analysemöglichkeiten im Umgang mit geographischen Daten aller Art weiterhin nachgefragt sein. Auf der anderen Seite entstehe durch Webservices wie Google-Earth oder Virtual Earth von Microsoft wie im Bereich der Navigationssysteme ein Massenmarkt, in dem quasi für jedermann einfach zu handhabende Anwendungen bereitstehen, um alltägliche Fragesstellungen nach Routen oder Orten zu lösen. Auf diesem Massenmarkt ist nach Schilchers Auffassung für die traditionellen Geoinformatik-Anbieter „nicht viel zu holen“.

Umso interessanter sei daher ein dritter Bereich zwischen diesen beiden Polen. Hierbei handele es sich um kombinierte Anwendungen, die die Earth Viewer als Basis nutzten, um auf deren Datengrundlagen und Darstellungsoptionen Fachdaten zu visualisieren und damit einer breiten Zahl von Anwendern und Betrachtern zur Verfügung zu stellen. Schilcher zeigte dazu einige Beispiele, die auch mit Hilfe von AED SICAD Produkten entstanden seien, etwa potenzielle Überschwemmungsgebiete im Falle von Hochwasser, Daten zur Verkehrsdichte oder ein Flächennutzungsplan, alle als zusätzliche Informationsebene in Google Earth eingebunden. „Es gibt dazu die Erfahrung, das politische Entscheider ausdrücklich solche Darstellungen verlangen, weil sie das Instrument des Earth Viewers aus eigener Nutzung kennen“, sagte Schilcher.

Für die Geoinformationswirtschaft ergäben sich daraus Chancen wie auch Risiken. Schilcher bewertete es als positiv, dass mit Microsoft und Google zwei finanzkräftige Investoren das Thema Geodaten entdeckt hätte und hohe Summen in diesen Zweig ihrer Aktivitäten pumpen. „Dadurch erfährt unsere Branche eine Aufmerksamkeit, wie es sie seit einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben hat.“ Andererseits müsse man zur Kenntnis nehmen, dass vieles von dem, was Google Earth heute mit breiter Öffentlichkeit mache, den Experten seit Jahren bekannt und prinzipiell technisch möglich gewesen sei. Die eigentliche Neuerungen seien, das die neuen Plattformen weltweit Content anböten und innerhalb kurzer Zeit einen Quasi-Standard geschaffen hätten, den die Branche auch in jahrelangen Abstimmungsprozessen nicht habe durchsetzen können.

Zugleich weckten die neue Earth Viewer beim unerfahrenen Anwender hohe Erwartungen in Sachen Datenverfügbarkeit, Visualisierung und Handhabung. Wenn die Unternehmen der Geoinformationswirtschaft diese Erwartungen erfüllten, gebe es viele Chancen, sich im Bereich kombinierter Awendungen aus Expertensystemen und Earth Viewern einen Markt zu sichern.