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Deegree Day: Geodatenmanagement mit Open Source Komponenten

13. Juni 2007

Hagen Graeff (Foto links), Chef des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung Hamburg und in Personalunion Präsident des Deutschen Vereins fürs Vermessungswesen (DVW) sorgte mit einem Vortrag zu 3D-Stadtmodellen in der Uni Bonn am Vorabend des deegree-Days am 12. Juni im Bonner Universitätsclub für den Auftakt des internationele Expertentreffs. Hinter deegree verbirgt sich ein vor sechs Jahren in der Universität Bonn gestartetes Open-Source-Projekt – inzwischen unter anderem betreut von dem Bonner Unternehmen lat/lon – das heute als die umfangreichste Implementierung der einschlägigen internationalen Standards der Geoinformatik von OGC und ISO in Freier Software gilt.

Deegree ist ein international erfolgreiches Open Source-Framework („Software-Baukasten“) um Geoportale und Geodateninfrastrukturen aufzubauen. Komponenten von deegree dienen etwa als Referenzimplementierung beim OGC, finden aber auch Verwendung beim russischen Wetterdienst, beim vietnamesischen Umweltinformationszentrum, im Umwelt- und Geodatenportal der Stadt Wuppertal und im Geoportal der Metropolregion Hamburg.

Wie bei Freier Software üblich, lebt der Entwicklungsprozess von der Entwicklergemeinschaft und den Anforderungen der Nutzer. Der deegree-Day ist deshalb als Treffen von Entwicklern und Nutzern konzipiert. Er soll eine Plattform zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion bieten und erfüllte nach Angaben von Jens Fitzke von lat/lon diesen Anspruch vollständig. “Die über 80 Teilnehmer, überwiegend aus Deutschland, aber auch aus Belgien, Italien, Niederlande und Ungarn, erhielten in 13 Vorträgen einen aktuellen Überblick über Nutzung und Entwicklung der Geo-Software”, resümierte er den Tag.

Als wesentliche Neuerungen in der Infrastruktur des Projekts sind nach seinen Angaben so genannte Wiki und Issue-Tracker als Community-Werkzeuge zu verzeichnen: Im Wiki kann die Projektdokumentation kollaborativ bearbeitet werden, während mit dem Issue-Tracker ein Tool zur Verfügung steht, das die strukturierte Dokumentation und Bearbeitung von Softwarefehlern und ähnlichen Befunden ermöglicht.

Mit Blick auf die Funktionalität wurden insbesondere Erweiterungen in der Rasterdaten- und Geodatenbank-Unterstützung vorgestellt und ein Ausblick auf den geplanten Ausbau des gesamten Software-Pakets für die in 2008 erwartete Version 3 gegeben.

In den Projektvorstellungen wurde ein breites Spektrum von Anwendungen angesprochen. Dabei kamen unter anderem Themen wie Crime Mapping, die EU-Umgebungslärmrichtlinie, Altlasten und Boden, Sicherheitsaspekte oder Katastrophenmanagement zur Sprache. So stellte Herman Assink von IDgis aus den Niederlanden eine auf deegree basiserende interaktive Kartenanwendung aus dem Bereich Crime Mapping vor. Auf der Basis von Web Map Services (für die Kartendarstellung) und Web Feature Services (für die Geodatenselektion) kann sich ein Bearbeiter einen Überblick über festgestellte Aufenthaltsorte von verdächtigen Personen verschaffen und diese mit Tatorten vergleichen.

In der Präsentation von Beate Stollberg (i3mainz) stand ein Szenario aus dem Bereich Katastrophenmanagement im Mittelpunkt: Gerade im Katastrophenschutz arbeiten eine Vielzahl von Akteuren auf der Grundlage vielfältigster Informationsgrundlagen aus den verschiedensten Quellen zusammen: Das Beispiel der Koordinierung von Evakuierungsmaßnahmen nach einem Bombenfund in einem dicht bewohnten Innenstadtbereich zeigt dies eindringlich. In dem OK-GIS-Projekt (http://www.ok-gis.de) wurden die entsprechenden Arbeitsabläufe in einem Geodateninfrastruktur-Kontext durchgespielt und unter anerem mit dem Web Processing Service aus dem deegree-Projekt untersetzt.

Kai-Uwe Krause (HafenCity-Universität Hamburg) und Hanko Rubach (lat/lon) stellten die so genannte XPlanung Publishing Platform (X3P) vor. Dabei handelt es sich um eine Pilotanwendung für das Projekt Xplanung, in dem Standards zum Austausch und zur Visualisierung von Bauleitplänen entwickelt wurden. Der Kern von X3P sind deegree-Bausteine (WFS-T, WMS, iGeoPortal) mit denen die Pläne im Internet veröffentlicht werden können.