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Erste Where2B-Konferenz im Bonner Uni-Club

6. Dezember 2007

Zahlreiche praktische Anwendungen und eine politische Diskussion über die Frage, wie amtliche Geodaten zu finanzieren sind: Die Where2B-Konferenz der Bonner WhereGroup Ende November im Universitätsclub konnte mit einer großen Themenbreite aufwarten. Gleichwohl standen stets die Möglichkeiten freier Software im Mittelpunkt. Die zahlreichen Vorträge von Referenten aus allen Teilen Deutschlands konnten dabei mehr als deutlich machen, dass Freie Software und Open Source Produkte im Bereich der Geoinformationswirtschaft längst den Status von Liebhaber-Projekten überwunden haben.

Aufmerksame Zuhörer auf der Where2B Konferenz

Eröffnet wurde die Konferenz vom Manager des Bonner GeoClusters Dr. Ulrich Ziegenhagen. Der stellvertretende Wirtschaftsförderer der Stadt Bonn nutzte die Gelegenheit, die Region Bonn vor einem interessierten Fachpublikum aus ganz Deutschland als das deutsche Silicon Valley der Geoinformatik vorzustellen. Ziegenhagen zog zahlreiche Parallelen zwischen dem Potenzial des kalifornischen ITK-Clusters in den 40er und 50er Jahren und dem Potenzial der Region Bonn von heute. Unter diesem Gesichtspunkt sei der Vergleich dieser zwei Regionen nicht überzogen, sondern recht realistisch. Ziegenhagen untermauerte diese These mit zahlreichen Daten zur regionalen Situation der IT-Branche insgesamt sowie zur Geoinformationswirtschaft im besonderen, die in Bonn und den angrenzenden Landkreisen Rhein-Sieg sowie Ahrweiler eine herausragende Rolle innerhalb der IT-Landschaft spiele.

Noch zwei weitere Keynotes befassten sich mit übergeordneten Gesichtspunkten der Branchenentwicklung, bevor die Praktiker und Anwender von Freier Software das Podium übernahmen und ihre Lösungen etwa zu Webmapping-Anwendungen, Geodatenportalen oder Verarbeitung von Geodaten in den Geschäftsprozessen eines Logistikdienstleisters vorstellten.

Arnulf Christl von der WhereGroup-Geschäftsführung setzte sich dabei demonstrativ die Mütze der internationalen Open Source Geospatial Foundation (OSGeo)auf, zu deren Board of Directors er gehört. Cristl warf vor allem die Frage nach der Finanzierung öffentlicher Geodaten auf und plädierte dabei für die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips. Dies bedeutet, dass für die Erhebung amtlicher Geobasisdaten etwa bei örtlichen Vermessungen selbstverständlich und problemlos Gebühren erhoben werden dürften, nicht aber für die Zweit- und Drittverwendung in Geodatenportalen oder bei der Veredelung amtlicher Daten durch private Anbieter. Nach Ansicht Christls könnten kommerzielle Anbieter wie Google und Microsoft langfristig keine den amtlichen Geobasisdaten vergleichbaren Daten liefern, da Datenqualitäten oder Metadaten für deren Geschäftsmodel nur eine untergeordnete Rolle spielten. Er belegte diese Aussage anschaulich mit der Adresssuche zum Firmensitz der Wheregroup. Während das Geodatenportal der Stadt Bonn dies hausnummerngenau gelang, zeigte das Google Maps Ergebnis rund 800 Meer neben das Gebäude.

Weniger politisch ging es danach mit Martin Klopfer vom Open Geospatial Consortium Europe (OGCE) weiter, der ausführlich die Arbeit des OGC vorstellte. Er warb dafür, die gemeinsam mit den Mitgliedern aus der weltweiten Geoinformationswirtschaft und Anwendern aus Behörden und Industrie erarbeiteten Spezifikationen des OGC auch in Softwarelösungen zu implementieren. Nur so sei ein freier Fluss von Geodaten zwischen verschiedenen Anwendungen und der Aufbau von Geodateninfrastrukturen zum Beispiel mit so genannten Web-Map- und Web-Feature-Services (WMS und WFS) möglich.

Parallel zu den anschließenden Fachvorträgen konnten zahlreiche Teilnehmer in begleitenden Workshops praktische Hilfen zum Aufbau einer Geodateninfrastruktur oder zur Einführung von DesktopGIS-Lösungen mit Open Source Produkten erhalten. Ausführliche Informationen und die Inhalte aller Vorträge inklusive der Präsentationen zum Download liefert die eigens von der WhereGroup zur Konferenz zusammengestellte Website.