Routenplanung mit Freien Geodaten von OpenStreetMap
Neben dem Online-Lexikon Wikipedia ist das Geodatenportal Openstreetmap (OSM) das wohl ehrgeizigste Projekt im Mitmach-Web 2.0. Allein aufgrund freiwilliger Mitarbeit von derzeit weltweit rund 50.000 Nutzern entsteht dabei eine umfassende Geodatenbank, auf deren Grundlage künftig flächendeckend sehr detaillierte Straßen- und Topographie-Karten beliebiger Ausschnitte und Maßstäbe der gesamten Erdoberfläche entstehen können. Noch ist dieses Ziel nicht erreicht, aber in vielen städtischen Regionen zeigt Openstreetmap schon heute mehr und aktuellere Straßen, Gebäuden, Landnutzungen, Fuß- und Radwege als jedes andere kommerzielle oder amtliche digitale Kartenwerk. Eine Arbeitsgruppe der Universität Bonn hat daher auf der Grundlage der OSM-Daten mit OpenRouteService ein neues Internetportal zur Routenplanung entwickelt, das neben reinem Routing von A nach B zahlreiche Zusatzfunktionen bietet, ausschließlich auf Basis Freier Software und Daten realisiert wurde und zusätzliche eine Brücke vom Web 2.0 zur professionellen GIS-Welt baut.
Nach Angaben von Professor Alexander Zipf nutzt OpenRouteService beispielsweise Dienste der Open Location Services Initiative (OpenLS) der Standardisierungs-Organisation Open Geospatial Consortiums (OGC). Sie ermöglichen unter anderem eine Kategorie-Umgebungssuche nach dem Vorbild vieler kommerzieller Gelber-Seiten Kartendienste.
Zusätzlich wurden von den Bonner Kartographen weiterführende Funktionen realisiert. Hierzu zählt beispielsweise ein Erreichbarkeitsdienst, der das in einer vorgegebenen Zeit von einem bestimmten Punkt aus erreichbare Gebiet berechnet. Das ist entlang von Autobahnen und Bundesstraßen naturgemäß größer als innerhalb städtischer Regionen. Der Dienst berücksichtigt diese Unterschiede und so entstehen anhängig vom Verkehrsnetz unregelmäßige Vielecke um den Startpunkt, die aber halbwegs realistisch anzeigen, wie weit man zu Beispiel in 30 Minuten fahren kann. Eine weitere Funktion jenseits gewöhnlicher Routenplaner: Der Nutzer kann Gebiete in die Karte einzeichnen, die beim Routing umfahren werden sollen
Neben Deutschland wird das Routing für Auto- und Radfahrer sowie für Fußgänger auch für die Schweiz, Österreich, Belgien, Italien, Lichtenstein und Dänemark unterstützt. Neben dieser Version für Zentraleuropa wurde auch eine eigene Variante für das Ursprungsland von OpenStreetMap das Vereinigte Königreich von Großbritannien umgesetzt, die demnächst online gehen soll. Eine Ausdehnung auf weitere Staaten ist laut Uni Bonn in Arbeit, ebenso wie die Einbindung von Daten aus der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM). Damit sollen die berechneten Routen demnächst durch ein Höhenprofil ergänzt werden.
Unter der sichtbaren Oberfläche des Portals haben die Bonner Geoinformatik-Experten der Universität darüber hinaus eine Brücke zwischen Openstreetmap als typische Web 2.0-Anwendung und den Anforderungen professioneller GIS-Anwendungen gebaut. Das Datenmodell von Openstreetmap wurde zum Beispiel vor allem mit Blick auf eine einfache Handhabung durch Nicht-Kartographen entwickelt. Objekte wie Punkte, Linien und Flächen werden mittels einfacher und vorgegebener Tags eine semantische Information (z.B. Wohnstraße, Straßenname etc.) zugewiesen, mit denen zugleich auch die Darstellung in der Karte (Farben, Strichbreite etc.) verbindlich vorgegeben ist. Der Nutzer muss sich darüber keine Gedanken machen und kann Geodaten für OSM einfach auf der Grundlage eigener GPS-Tracks und Messungen mittels seiner Maus an graphischen, webbasierten Editoren im Browser erzeugen. Der Nachteil des OSM-Datenmodells ist seine Eigenständigkeit gegenüber den gängigen Spezifikationen des OGC, die es bewusst nicht berücksichtigt.
Die Bonner Kartographen haben mittels des Web Feature Service (WFS) des OGC diese offenen OSM-Daten nun thematisch aufbereitet und strukturiert, so dass sie in die Geography Markup Language (GML) überführt werden können. Dies macht es möglich, sie als Referenz- und Geobasisdaten beliebig innerhalb professioneller GIS-Lösungen sowie Geodateninfrastrukturen zu nutzen und mit Geodaten aus anderen Quellen zu kombinieren. Die Integration der OSM-Daten in einen OGC-Katalogdienst ist dementsprechend in Vorbereitung. Die Verknüpfung der OSM-Daten mit den zahlreichen Funktionen des Routingportals, die sich durchgängig auf OPen Source Lösungen stützen, die die Standards des OGC berücksichtigen, beruht bereits auf dieser eigens konstruierten Brücke zwischen Web 2.0 und GIS-Welt.
Wer die Dienste von OpenRouteService in eigenen Projekten nutzen will, kann sich direkt an den Lehrstuhl für Kartographie am Geographischen Institut der Universität Bonn wenden.

























