Flex-I-Geo-Web
Mit einem gemeinsam konzipierten, ambitionierten Forschungsprojekt hat die Geoinitiative Region Bonn den EFRE-Landeswettbewerb „Informations- und Kommunikationstechnik (ITK)“ gewonnen. Es ging um Fördermittel aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE), die das Land NRW erstmals durch Branchen-Wettbewerbe ausgeschrieben hatte. Insgesamt wurden aus ganz Nordrhein-Westfalen knapp 50 Projekte eingereicht, von denen 17 ausgewählt wurden.
Das Bonner Vorhaben ist dabei das größte Verbundprojekt. Beteiligt sind vier IT-Anbieter aus Bonn und Siegburg (CPA Systems, WhereGroup, lat/lon, interactive instruments), das Geographische Institut der Universität Bonn, das Fraunhofer Institut IAIS in St. Augustin sowie das Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn und die IHK Bonn/Rhein-Sieg als Träger der Geoinitiative Region Bonn. Ihre gemeinsam formulierte Idee, einen Softwarebaukasten zu entwickeln, mit dem auch Laien intuitiv webbasierte Anwendungen für die Analyse von Geodaten erstellen können, wird nun bis Ende 2011 mit rund einer Million Euro gefördert. „Das Projekt wird neue, auch internationale Märkte eröffnen und dazu beitragen, Nordrhein-Westfalen und Bonn global als interessanten Standort für Geosoftware-Entwicklung zu positionieren“, zeigt sich Professor Dr. Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn überzeugt.
Für Dr. Ulrich Ziegenhagen vom Amt für Wirtschaftsförderung ist dies das sichtbare Ergebnis der Arbeit der Geoinitiative Region Bonn. Seit rund vier Jahren ist er im Rahmen dieser Initiative Clustermanager der Geoinformationswirtschaft in Bonn. „Wir haben zahlreiche mittlere und kleine Unternehmen in und um Bonn, die sich damit befassen, Geodaten zu verarbeiten oder zu erzeugen. Unsere Initiative will diese Unternehmen untereinander und mit Forschungsinstituten und Behörden vernetzen, um daraus neue Geschäftsfelder und Kooperationen entstehen zu lassen.“ Genau das sei jetzt bei Flex-I-Geo-Web geschehen.
Das ist aus Sicht des Wirtschaftsförderers keine Selbstverständlichkeit. Die Unternehmen könnten sich zwar mit ihrem jeweils hochspezialisierten Know-how häufig gut ergänzen, stehen aber auch stets im harten Wettbewerb gegeneinander. „Die Geoinitiative ist darum in erster Linie eine Kommunikationsplattform, die mit der Zeit das notwendige Vertrauen der Akteure zueinander geschaffen hat“, unterstreicht Ziegenhagen.
Projektleiter und Ideengeber Dr. Christoph Averdung von CPA Systems formuliert es so: “Das Projekt zeigt das hohe Potenzial der Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler als Standort der Informations- und Kommunikationstechnik.“ Speziell als „Geobusiness-Region“ oder das „Silicon Valley der Geoinformatik“ entfalte man hier für hochqualifizierte Arbeitskräfte eine besondere Attraktivität. Das sei in der Wissensgesellschaft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Vor diesem Hintergrund ging die CPA Systems mit einer ersten Skizze für das jetzt erfolgreiche Projekt auf die Geoinitiative zu. Schnell fanden sich innerhalb des Netzwerks die acht Partner zusammen. Gemeinsam entwickelten sie mit zahlreichen kurzfristig einberufenen Treffen auf der Grundlage des CPA-Vorschlags die Projektidee Flex-I-Geo-Web.
Kern des Projekts ist die Entwicklung eines Software-Baukastens aus webbasierten Open-Source Bausteinen, mit denen ein Nutzer weitgehend intuitiv aus vorhandenen, neuen und eigenen Geodaten und -diensten dynamisch konfigurierbare Geodatenportale zusammen fügen kann. Dies ist aus Sicht der Geoinitiative ein entscheidender Schritt, um Geodaten endgültig ins Web 2.0 zu transportieren.
Stand der Technologie von heute ist: Es existieren internationale Standards für die Daten selbst, damit Geodaten aus ganz unterschiedlichen Quellen zueinander passen. Es existieren zudem internationale Standards für Datendienste, damit Daten per Internet in Portalen zusammen geführt werden können. Man kann diese Daten am Ende in Form von webbasierten Karten angucken. Es existieren jedoch weder Standards noch Komponenten noch frei verfügbare Softwarebausteine, um die Portale selbst aufzubauen und die Daten auch für analytische Zwecke zu nutzen. Solche Portale verlangen immer noch vertiefte Programmier- und Informatikkenntnisse. Leicht handhabbare Open Source Softwaremodule dagegen könnten eine starke Verbreitung finden und dabei helfen, neue und, einfach zu bedienende Geodatenportale zu bauen, die effiziente Lösungen für zahlreiche Fragestellungen liefern.
Genau das will Flex-I-Geo-Web leisten.
Geplant ist, das Potenzial eines solchen Softwarebaukasten am Beispiel eines Portals zur Suche und individuellen Bewertung von Baulücken in entwickelten Räumen zu demonstrieren, unter anderem durch die Einbindung noch sehr junger, aber bereits international standardisierter 3D-Geodatendienste. Bereits für diese Standards sind wichtige Impulse von Bonner Unternehmen sowie der Universität Bonn ausgegangen. Ein solch dynamisches Baulückenportal wäre ganz nebenbei ein neues Instrument für Architekten und Bauherren für eine Flächen schonende Stadtentwicklung, die ökonomische und ökologische Aspekte abwägt. Es wären sogar
Impulse für die regionale Bauwirtschaft denkbar. Aber auch zahlreiche weitere Geodatenportale zu vielfältigen Fragestellungen sollen mit dem Baukasten realisierbar sein. Ein Geoportal zum Thema „Baulücken“ soll lediglich ein erstes Beispiel sein. Das Projekt ist in dieser Hinsicht für neue Ideen und Anregungen offen.
























